Die ersten 100 Tage in einer neuen Führungsrolle sind aufgeladen mit Erwartung. Von außen, vor allem aber von innen. Viele neue Führungskräfte spüren den Drang, schnell zu beweisen, dass die Entscheidung für sie richtig war. Genau dieser Drang ist die häufigste Fehlerquelle.

Wer in den ersten Wochen vor allem liefern will, übersieht, dass die wichtigste Arbeit zu Beginn eine andere ist: verstehen.

Der Fehler: zu früh gestalten

Neue Führungskräfte kommen oft mit einem Bild davon, was sie verändern wollen. Das ist gut. Es zu früh umzusetzen, ist es nicht. Eine Organisation hat Gründe für ihren Zustand, auch wenn diese nicht sofort sichtbar sind. Wer ändert, bevor er versteht, beschädigt Vertrauen, das er noch gar nicht aufgebaut hat.

Die ersten Wochen sind keine Bühne. Sie sind eine Lernphase. Fragen stellen wirkt in dieser Zeit stärker als Antworten geben.

Was die ersten 100 Tage tragen sollten

Drei Dinge lohnen sich besonders. Erstens, Beziehungen aufbauen, einzeln, ehrlich, ohne Agenda. Zweitens, zuhören, wie die Organisation wirklich funktioniert, nicht wie das Organigramm es behauptet. Drittens, ein oder zwei kleine, sichtbare Verbesserungen, die zeigen, dass Sie es ernst meinen, ohne dass Sie das ganze System umbauen.

Das Große kommt später. Es kommt besser, wenn der Boden bereitet ist.

In den ersten 100 Tagen gewinnen Sie selten durch das, was Sie verändern. Sie gewinnen durch das, was Sie verstehen.

Die unbequeme Wahrheit

Es kann sein, dass Sie sich in den ersten Wochen unproduktiv fühlen. Das ist kein schlechtes Zeichen. Verstehen sieht von außen oft aus wie Nichtstun, und ist doch die Voraussetzung für alles, was danach kommt.

Geben Sie sich die Erlaubnis, zu Beginn vor allem zu lernen. Sie holen diese Zeit um ein Vielfaches wieder herein.

Wenn Sie gerade in einem Rollenwechsel stehen, schreiben Sie mir gern, wo Sie aktuell stehen. Ich antworte persönlich.

Ulrike von den Driesch
Ulrike von den Driesch
Diplom-Psychologin · Coach und Beraterin · Köln