Als Coach lebe ich von Fragen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Denn die meisten Fragen, die im Berufsalltag gestellt werden, sind gar keine echten Fragen. Es sind verkleidete Aussagen.

"Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass wir das anders machen sollten?" ist keine Frage. Es ist eine Meinung mit Fragezeichen. Eine echte Frage erkennt man daran, dass ihr Ende offen ist. Dass die Antwort den Fragenden überraschen darf.

Warum Fragen mehr bewegen als Antworten

Eine Antwort schließt ein Thema. Eine gute Frage öffnet es. Wenn ich jemandem eine Lösung gebe, hat er eine Lösung. Wenn ich eine gute Frage stelle, beginnt er zu denken. Und ein selbst gedachter Gedanke trägt weiter als ein übernommener.

Das gilt für Führung genauso wie für Coaching. Eine Führungskraft, die fragt, signalisiert Vertrauen in die Denkfähigkeit des Gegenübers. Eine, die immer nur Antworten gibt, signalisiert das Gegenteil, ohne es zu wollen.

Woran man eine gute Frage erkennt

Gute Fragen sind meist kurz. Sie sind offen, lassen sich also nicht mit Ja oder Nein beantworten. Und sie sind frei von einer versteckten Erwartung. "Was wäre für Sie ein gutes Ergebnis?" ist eine solche Frage. "Wollen wir das nicht lieber lassen?" ist es nicht.

Eine echte Frage ist ein Geschenk. Sie sagt: Ich traue dir zu, dass du selbst eine Antwort findest.

Eine Frage, die fast immer weiterführt

Es gibt eine Frage, die ich besonders schätze: Was müsste passieren, damit sich für Sie etwas ändert? Sie verschiebt den Blick vom Problem zur Bewegung, ohne zu drängen.

Sie können das Fragen üben. Halten Sie im nächsten Gespräch einmal Ihre fertige Antwort zurück und stellen Sie stattdessen eine Frage. Es ist erstaunlich, wie viel Raum entsteht, wenn man ihn nicht sofort füllt.

Wenn Sie das Thema gerade beschäftigt, schreiben Sie mir gern. Ich antworte persönlich.

Ulrike von den Driesch
Ulrike von den Driesch
Diplom-Psychologin · Coach und Beraterin · Köln