Es gibt einen Satz, den ich in Coachings immer wieder höre: "Ich habe schon so viele Führungstools gelernt, und trotzdem fühlt es sich nicht stimmig an." Dahinter steckt eine Verwechslung, die mir bei vielen Führungskräften begegnet. Sie suchen nach dem richtigen Werkzeug, obwohl ihnen die Haltung fehlt, aus der heraus jedes Werkzeug erst wirkt.

Haltung ist kein weiches Thema. Sie ist das Fundament. Ein Mitarbeitergespräch nach Lehrbuch klingt hohl, wenn die Person, die es führt, innerlich woanders ist. Und dasselbe Gespräch trägt, wenn dahinter eine klare Position steht, auch ohne perfekte Technik.

Was Haltung von Methode unterscheidet

Methoden kann man lernen, abrufen und nach Feierabend wieder ablegen. Haltung nicht. Sie zeigt sich genau dann, wenn es ungemütlich wird, im Konflikt, unter Druck, im Moment der schlechten Nachricht. Mitarbeitende spüren binnen Sekunden, ob jemand eine Technik anwendet oder wirklich bei ihnen ist.

Das meine ich mit Haltungsturnen: das Vorführen von Führung. Die einstudierte Anteilnahme, das aktive Zuhören als Übung statt als echtes Interesse. Es ist nicht falsch, es ist nur durchschaubar. Und es kostet genau das, worauf Führung angewiesen ist: Vertrauen.

Drei Fragen, die Haltung sichtbar machen

Haltung lässt sich nicht herbeireden. Aber sie lässt sich freilegen. Im Coaching arbeite ich gern mit drei Fragen, die Sie sich auch allein stellen können.

Erstens: Wofür stehe ich, auch wenn es unbequem wird? Zweitens: Was würde ich tun, wenn niemand zusähe? Drittens: Welches Menschenbild liegt meinen Entscheidungen zugrunde, sehe ich Mitarbeitende als Ressource oder als Risiko?

Führung beginnt nicht mit dem, was Sie tun. Sie beginnt mit dem, wer Sie sind, während Sie es tun.

Haltung macht das Leben einfacher

Das klingt nach Arbeit, und das ist es auch. Aber es ist eine Arbeit, die sich auszahlt. Wer aus einer klaren Haltung führt, muss nicht in jeder Situation neu entscheiden, wie er sich verhält. Die Richtung steht. Das spart Energie, schafft Verlässlichkeit und macht Führung, bei aller Komplexität, im Kern wieder einfach.

Tools bleiben nützlich. Aber sie sind das Geländer, nicht der Weg. Den Weg gehen Sie mit Ihrer Haltung.

Wenn Sie das Thema gerade beschäftigt, schreiben Sie mir gern, woran Sie arbeiten. Ich antworte persönlich.

Ulrike von den Driesch
Ulrike von den Driesch
Diplom-Psychologin · Coach und Beraterin · Köln