Viele Führungskräfte, mit denen ich arbeite, sagen zu oft Ja. Ja zu Projekten, Ja zu Terminen, Ja zu Erwartungen. Nicht aus Schwäche, sondern aus einem ehrenwerten Motiv: Sie wollen verlässlich sein, hilfreich, ein guter Mensch. Der Preis dafür ist hoch.

Wer nicht Nein sagen kann, trifft keine Prioritäten. Er sammelt sie nur. Und jedes unausgesprochene Nein wird irgendwann zu einem Ja, das nicht mehr trägt.

Nein ist eine Form von Klarheit

Ein Nein wird oft als das Gegenteil von Hilfsbereitschaft gelesen. Dabei ist es das Gegenteil von Beliebigkeit. Wenn alles möglich ist, ist nichts wichtig. Erst das Nein gibt dem Ja sein Gewicht.

Für ein Team ist eine Führungskraft, die klare Grenzen zieht, eine Entlastung. Sie macht das Wichtige sichtbar und schützt vor dem Verzetteln. Ein gut gesetztes Nein ist Führung, kein Egoismus.

Wie ein gutes Nein klingt

Ein Nein muss nicht hart sein, um klar zu sein. Es braucht drei Dinge. Wertschätzung für das Anliegen, denn die Frage war berechtigt. Klarheit in der Sache, ohne langes Drumherum. Und, wo es möglich ist, eine Richtung: nicht das, aber vielleicht jenes, oder nicht jetzt, aber später.

Ein klares Nein, freundlich gesagt, ist ehrlicher als ein zögerndes Ja, das man später zurücknimmt.

Was das Nein leichter macht

Nein zu sagen fällt leichter, wenn Sie wissen, wofür Sie Ja sagen. Wer seine Prioritäten kennt, muss nicht jedes Mal neu ringen. Die Entscheidung ist im Grunde schon getroffen, das einzelne Nein vollzieht sie nur.

Üben Sie es im Kleinen. Ein Nein zu einem unnötigen Termin. Eine Bitte, die Sie nicht sofort erfüllen. Die Erfahrung, dass die Welt nicht stehen bleibt, ist die beste Schule für die größeren Neins, die noch kommen.

Wenn Sie merken, dass Sie zu oft Ja sagen, schreiben Sie mir gern. Ich antworte persönlich.

Ulrike von den Driesch
Ulrike von den Driesch
Diplom-Psychologin · Coach und Beraterin · Köln