Die meisten Menschen werden Führungskraft, weil sie fachlich überzeugt haben. Das ist nachvollziehbar und zugleich der Ausgangspunkt für eines der schwierigsten Missverständnisse im Berufsleben. Denn die Fähigkeiten, die Sie in die Führungsrolle gebracht haben, sind nicht die, die Sie darin erfolgreich machen.

Als Expertin oder Experte wurden Sie für Ihre Lösungen geschätzt. Als Führungskraft werden Sie daran gemessen, ob andere zu guten Lösungen kommen. Das ist nicht mehr derselbe Beruf.

Die Falle der besten Lösung

Wer fachlich stark ist, sieht im Zweifel schneller, was zu tun wäre. Die Versuchung, es einfach zu sagen, ist groß. Kurzfristig funktioniert das auch. Langfristig entsteht ein Team, das mitdenkt, aber nicht mehr selbst denkt. Es wartet auf Sie. Und Sie werden zum Engpass Ihrer eigenen Organisation.

Der schwierigste Lernschritt im Übergang ist deshalb das Aushalten. Auszuhalten, dass jemand anderes einen Weg geht, der nicht Ihr Weg gewesen wäre, und vielleicht trotzdem ans Ziel führt.

Was jetzt wichtig wird

Die neue Währung heißt nicht mehr Wissen, sondern Wirkung durch andere. Gute Fragen statt fertiger Antworten. Den Rahmen setzen, statt den Inhalt zu liefern. Aushalten, dass Ihr Beitrag jetzt indirekter ist und sich langsamer zeigt.

Als Expertin lösen Sie Probleme. Als Führungskraft sorgen Sie dafür, dass Probleme gelöst werden, auch ohne Sie.

Der Verlust, den niemand benennt

Dieser Übergang hat eine Seite, über die selten gesprochen wird. Er ist auch ein Verlust. Die unmittelbare Befriedigung, etwas selbst gut gemacht zu haben, wird seltener. An ihre Stelle tritt eine leisere Freude, die, andere wachsen zu sehen.

Wer diesen Verlust anerkennt, statt ihn zu übergehen, kommt schneller in der neuen Rolle an. Es ist kein Scheitern, das alte Können zu vermissen. Es ist der Beginn des neuen.

Wenn Sie gerade in diesem Übergang stehen, schreiben Sie mir gern. Ich antworte persönlich.

Ulrike von den Driesch
Ulrike von den Driesch
Diplom-Psychologin · Coach und Beraterin · Köln