"Mit wem reden Sie eigentlich, wenn es schwierig wird?" Diese Frage stelle ich oft im Coaching. Erstaunlich häufig folgt eine lange Pause. Viele Führungskräfte tragen ihre größten Lasten allein, nicht aus Stolz, sondern weil die Rolle es so eingerichtet hat.
Einsamkeit in Führungspositionen ist kein Charakterfehler. Sie ist eine fast logische Folge der Position.
Warum die Rolle isoliert
Mit jeder Hierarchiestufe verändert sich, was Sie sagen dürfen. Sorgen, Zweifel, Unsicherheit, all das kann nach unten Verunsicherung auslösen und nach oben als Schwäche gelesen werden. Also behalten viele es für sich. Dazu kommt: Wer befördert wird, verliert oft die alten kollegialen Beziehungen, ohne dass automatisch neue entstehen.
Das Ergebnis ist eine stille Isolation. Nach außen funktioniert alles. Nach innen fehlt der Resonanzraum, in dem man laut denken darf.
Was Einsamkeit mit Entscheidungen macht
Das ist nicht nur menschlich belastend, es ist auch fachlich riskant. Wer keine ehrliche Rückmeldung mehr bekommt, verliert die Korrektur von außen. Entscheidungen werden im eigenen Kopf gedreht, immer wieder, ohne dass jemand widerspricht. Das fühlt sich nach Gründlichkeit an und ist doch oft nur ein Kreisen.
Niemand denkt allein so klar wie im Gespräch mit einem Gegenüber, das nichts will außer dem guten Gedanken.
Der Weg nach draußen
Die Lösung ist nicht, sich zusammenzureißen. Sie ist, sich bewusst einen Raum zu schaffen, in dem die Rolle für eine Weile ruhen darf. Für manche ist das ein Peer-Netzwerk mit anderen Führungskräften. Für andere ein Mentor. Für viele ein Coaching, gerade weil es vertraulich ist und an keine Erwartung gebunden.
Entscheidend ist nicht die Form. Entscheidend ist, dass es einen Ort gibt, an dem Sie nicht Führungskraft sein müssen, sondern einfach denken dürfen.
Wenn Sie dieses Kreisen kennen, schreiben Sie mir gern. Ich antworte persönlich.

