Ich arbeite seit Langem mit Methoden aus dem Improvisationstheater, im Coaching wie in Workshops. Anfangs reagieren Führungskräfte darauf oft skeptisch. Theater klingt nach Spiel, nicht nach Führung. Am Ende sind es meist genau diese Stunden, an die sie sich am längsten erinnern.
Improvisation ist keine Spielerei. Sie ist ein Training für genau die Situation, in der Führung wirklich stattfindet: im Unvorhergesehenen.
Erstens: Ja, und
Das wichtigste Prinzip der Improvisation lautet: Nimm an, was dein Gegenüber anbietet, und baue darauf auf. Ja, und statt Ja, aber. Das heißt nicht, alles gut zu finden. Es heißt, den Beitrag des anderen erst einmal als real zu behandeln, bevor man ihn weiterentwickelt.
In Meetings erlebe ich oft das Gegenteil. Jeder Vorschlag wird sofort geprüft, relativiert, abgewehrt. Ein Ja, und hält den Raum kurz offen. Lang genug, dass etwas Neues entstehen kann.
Zweitens: Fehler sind Material
Auf der Improvisationsbühne gibt es keine Fehler, es gibt nur Angebote. Wer sich verspricht, macht daraus eine Wendung. Diese Haltung verändert alles. Sie nimmt der Angst die Macht und macht den Kopf frei für das, was wirklich passiert.
Eine Führungskraft, die so auf Fehler schaut, schafft ein Team, das Risiken benennt, statt sie zu verstecken. Und nur ein Team, das Fehler zeigt, kann aus ihnen lernen.
Improvisation ist nicht das Gegenteil von Vorbereitung. Sie ist die Kunst, mit dem zu arbeiten, was die Vorbereitung nicht vorhergesehen hat.
Drittens: Präsenz schlägt Plan
Improvisation lässt sich nicht planen, nur vorbereiten. Wer auf der Bühne an seinem nächsten Satz festhält, verpasst, was gerade geschieht. Führung ist da nicht anders. Der beste Gesprächsleitfaden nützt nichts, wenn er den Blick davon abhält, was im Raum wirklich passiert.
Präsenz heißt, ganz hier zu sein, statt schon bei der Antwort. Sie ist die vielleicht unterschätzteste Führungskompetenz überhaupt, und sie lässt sich üben.
Wenn Sie neugierig sind, wie sich das in Ihren Führungsalltag übertragen lässt, schreiben Sie mir gern. Ich antworte persönlich.

