Säule 4 von 7 der Resilienz

Empathie: verstehen, ohne sich zu verlieren

Empathie ist die Fähigkeit, Gefühle und Beweggründe anderer Menschen zu erkennen, auch wenn sie nicht ausgesprochen werden. Sie ist die vierte Säule der Resilienz und schützt Führungskräfte davor, Angriffe persönlich zu nehmen, die gar nicht ihnen gelten.

Kurz-Check · Empathie

Ich kann nachvollziehen, warum jemand frustriert ist, auch wenn er/sie sich im Ton vergreift.

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Was ist Empathie?

Empathie bedeutet, die innere Lage eines anderen Menschen zu erfassen. Die Psychologie unterscheidet dabei das Verstehen, also nachvollziehen zu können, was jemanden bewegt, und das Mitfühlen, also selbst etwas davon zu spüren. Für Resilienz ist vor allem das Verstehen wichtig. Es hilft, die eigentliche Botschaft hinter einem gereizten Satz zu hören.

Wichtig ist ein Unterschied, den die Neurowissenschaftlerin Tania Singer und ihre Kollegin Olga Klimecki beschrieben haben: Mitfühlen mit Wärme und Abstand stärkt, Mitleiden ohne Abstand erschöpft. Wer das Leid anderer ungefiltert übernimmt, brennt aus. Wer es versteht und zugleich bei sich bleibt, kann helfen und bleibt handlungsfähig.

Woran Sie erkennen, wie es um Ihre Empathie steht.

Wenn sie trägt

  • Wenn jemand laut wird, fragen Sie sich, was gerade unter Druck steht.
  • Sie merken, wenn Worte und Tonfall eines Menschen nicht zusammenpassen.
  • Sie können die Sicht eines Gegenübers wiedergeben, auch wenn Sie sie nicht teilen.
  • Nach belastenden Gesprächen finden Sie wieder zu Ihrer eigenen Stimmung zurück.

Wenn sie gerade fehlt

  • Gereizte Mitarbeitende erleben Sie vor allem als respektlos.
  • Sie haben die Antwort schon fertig, bevor das Gegenüber ausgeredet hat.
  • Oder umgekehrt: Sie nehmen die Sorgen anderer abends mit nach Hause.
  • Sie wundern sich, warum Menschen Ihnen bestimmte Dinge nicht erzählen.

Warum Empathie in der Führung zählt

Wer sich im Ton vergreift, ist selten einfach unhöflich. Meist steht etwas unter Druck: Überlastung, Sorge, das Gefühl, nicht gehört zu werden. Führungskräfte, die das erkennen, reagieren gelassener und kommen schneller zur eigentlichen Frage. Sie schützen damit auch sich selbst, denn ein Angriff, den Sie verstehen, trifft weniger tief.

Empathie heißt dabei nicht, alles zu verstehen und nichts mehr zu fordern. Klare Erwartungen und echtes Verständnis schließen sich nicht aus, sie verstärken sich. Wer sich verstanden fühlt, kann auch eine harte Botschaft annehmen.

Ulrike von den Driesch im Gespräch mit einem Klienten

So stärken Sie Ihre Empathie: vier Übungen.

Kleine Übungen, einmal täglich. Wählen Sie eine aus und bleiben Sie vier Wochen dabei. Im Resilienz-Test können Sie sie als Mikro-Vorsatz festhalten.

  1. 01

    Erst zusammenfassen, dann antworten

    Fassen Sie in schwierigen Gesprächen zuerst die Sicht Ihres Gegenübers in einem Satz zusammen: „Sie ärgern sich, weil …“. Erst dann antworten Sie. Das entschärft mehr als jedes Argument.

  2. 02

    Die Frage hinter dem Ton

    Wenn jemand gereizt reagiert, stellen Sie sich still die Frage: Was steht da gerade unter Druck? Sie müssen die Antwort nicht aussprechen. Schon die Frage verändert, wie Sie reagieren.

  3. 03

    Fünf Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit

    Schenken Sie einmal am Tag einer Person aus Ihrem Team fünf Minuten ohne Bildschirm, ohne Unterbrechung. Fragen Sie, wie es läuft, und hören Sie nur zu.

  4. 04

    Verstehen und Abgrenzen trennen

    Sagen Sie sich nach einem belastenden Gespräch bewusst: Ich verstehe, was ihn oder sie bewegt. Und: Es ist nicht meine Last. Diese doppelte Haltung schützt vor dem Mitleiden.

Empathie ist eine von sieben Säulen.

Resilienz entsteht aus dem Zusammenspiel aller sieben. Der Resilienz-Test zeigt in zwei Minuten, welche bei Ihnen gerade tragen und welche Aufmerksamkeit brauchen.

Häufige Fragen zur Empathie.

Ist Empathie für Führungskräfte eine Schwäche?

Nein. Empathie hilft, Konflikte früher zu erkennen, Menschen besser einzuschätzen und harte Botschaften so zu vermitteln, dass sie ankommen. Sie wird nur dann zum Problem, wenn sie ohne Abgrenzung gelebt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid?

Mitgefühl verbindet Verständnis mit innerem Abstand und lässt Sie handlungsfähig. Mitleid übernimmt das Leid anderer ungefiltert und erschöpft auf Dauer. Für Resilienz ist Mitgefühl die tragfähigere Haltung.

Kann man Empathie trainieren?

Ja, vor allem das Verstehen. Aktives Zuhören, Zusammenfassen der Sicht des Gegenübers und die Frage nach dem, was unter Druck steht, lassen sich üben und werden mit der Zeit selbstverständlich.

Wie stehen Sie in allen sieben Säulen?

Sieben Aussagen, zwei Minuten, mit Ihren zwei Entwicklungsfeldern und einem Vorsatz für die Woche. Kostenfrei und ohne Anmeldung.

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