Selbstwirksamkeit stärken: dem eigenen Können vertrauen
Selbstwirksamkeit ist das Vertrauen, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Sie entscheidet, ob Sie das schwierige Gespräch führen oder vertagen. Sie ist die sechste Säule der Resilienz.
Ich traue mir zu, schwierige Gespräche oder neue Aufgaben souverän zu meistern.
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Was ist Selbstwirksamkeit?
Selbstwirksamkeit, auch Selbstwirksamkeitserwartung genannt, ist die Überzeugung, eine Aufgabe durch eigenes Handeln bewältigen zu können. Der Begriff geht auf den Psychologen Albert Bandura zurück. Er ist nicht dasselbe wie Selbstbewusstsein: Man kann insgesamt selbstbewusst sein und sich ein bestimmtes Gespräch trotzdem nicht zutrauen.
Bandura hat vier Quellen der Selbstwirksamkeit beschrieben. Die stärkste sind eigene Erfolgserlebnisse. Dazu kommen Vorbilder, also zu sehen, wie andere Ähnliches schaffen, ermutigende Worte anderer und der eigene körperliche Zustand, etwa Anspannung, und wie man ihn deutet. Wer weiß, dass Herzklopfen vor einem Auftritt normal ist, deutet es nicht als Zeichen des Scheiterns.
Woran Sie erkennen, wie es um Ihre Selbstwirksamkeit steht.
Wenn sie trägt
- Schwierige Gespräche führen Sie zeitnah, statt sie zu vertagen.
- Neue Aufgaben reizen Sie mehr, als dass sie Sie ängstigen.
- Nach Rückschlägen versuchen Sie es auf anderem Weg noch einmal.
- Sie können um Hilfe bitten, ohne sich dabei klein zu fühlen.
Wenn sie gerade fehlt
- Sie schieben ein unangenehmes Gespräch seit Wochen vor sich her.
- Bei neuen Aufgaben denken Sie zuerst daran, was schiefgehen kann.
- Lob nehmen Sie schwer an, Kritik dafür umso tiefer.
- Sie haben das Gefühl, Ihre Erfolge eher Glück als Können zu verdanken.
Warum Selbstwirksamkeit in der Führung zählt
Viele erfahrene Führungskräfte zweifeln öfter an sich, als man ihnen ansieht. Das ist normal und manchmal sogar gesund. Schwierig wird es, wenn der Zweifel dazu führt, dass Gespräche aufgeschoben und Entscheidungen vertagt werden. Probleme, die nicht angesprochen werden, wachsen.
Selbstwirksamkeit wirkt außerdem ansteckend. Führungskräfte, die sich Schwieriges zutrauen, trauen es auch ihrem Team eher zu. Und Teams, denen etwas zugetraut wird, entwickeln selbst mehr Vertrauen in ihr Können.
So stärken Sie Ihre Selbstwirksamkeit: vier Übungen.
Kleine Übungen, einmal täglich. Wählen Sie eine aus und bleiben Sie vier Wochen dabei. Im Resilienz-Test können Sie sie als Mikro-Vorsatz festhalten.
- 01
Erfolge sichtbar machen
Erinnern Sie sich bewusst an eine Situation, die Sie schon gemeistert haben und die Ihrer heutigen Herausforderung ähnelt. Was haben Sie damals getan? Was davon können Sie heute wieder nutzen?
- 02
Fünfzehn Minuten für das Aufgeschobene
Nehmen Sie sich eine Aufgabe vor, die Sie vor sich herschieben, und arbeiten Sie genau fünfzehn Minuten daran. Nicht bis zum Ende, nur fünfzehn Minuten. Der erste Schritt ist meist der schwerste, und jeder getane Schritt stärkt das Zutrauen.
- 03
Das Gespräch in drei Sätzen
Bereiten Sie ein anstehendes schwieriges Gespräch in drei Sätzen vor: Was ist mein Anliegen? Was ist meine Beobachtung? Was wünsche ich mir? Wer weiß, was er sagen will, traut sich eher, es zu sagen.
- 04
Anspannung richtig deuten
Wenn Sie vor einer Herausforderung nervös sind, sagen Sie sich: Mein Körper macht sich bereit. Anspannung ist kein Zeichen, dass Sie es nicht können, sondern dass es Ihnen wichtig ist.
Selbstwirksamkeit ist eine von sieben Säulen.
Resilienz entsteht aus dem Zusammenspiel aller sieben. Der Resilienz-Test zeigt in zwei Minuten, welche bei Ihnen gerade tragen und welche Aufmerksamkeit brauchen.
Häufige Fragen zur Selbstwirksamkeit.
Was ist der Unterschied zwischen Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein?
Selbstbewusstsein ist ein allgemeines Gefühl für den eigenen Wert. Selbstwirksamkeit bezieht sich auf konkrete Aufgaben: Traue ich mir zu, dieses Gespräch oder dieses Projekt zu bewältigen? Man kann selbstbewusst sein und sich trotzdem eine bestimmte Aufgabe nicht zutrauen.
Wie kann ich meine Selbstwirksamkeit stärken?
Am wirksamsten sind eigene Erfolgserlebnisse, auch kleine. Zerlegen Sie große Aufgaben in Schritte, die Sie sicher schaffen, erinnern Sie sich an frühere Erfolge und suchen Sie Vorbilder, die Ähnliches gemeistert haben.
Hat Selbstwirksamkeit etwas mit dem Impostor-Syndrom zu tun?
Ja. Wer unter dem Impostor-Syndrom leidet, schreibt eigene Erfolge eher dem Glück zu als dem eigenen Können. Das untergräbt die Selbstwirksamkeit, obwohl die Leistung objektiv stimmt. Bewusstes Würdigen eigener Erfolge hilft bei beidem.
- Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191 bis 215.
- Reivich, K. & Shatté, A. (2002). The Resilience Factor. New York: Broadway Books.
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